Chancen- und Risikobericht

Mittel- bis langfristig sind für das Erzbistum Paderborn negative Auswirkungen aus der rückläufigen Entwicklung der Mitgliederzahl zu erwarten. Die Anzahl der Katholiken im Erzbistum reduziert sich kontinuierlich Jahr für Jahr. 2017 sank die Zahl der Katholiken um rund 1,4 Prozent, innerhalb der letzten Dekade betrug der Rückgang 9,8 Prozent.

Die Kirchensteuer ist die wichtigste Einnahmequelle des Erzbistums Paderborn. Da die weitere Entwicklung dieser Einnahmen nicht sicher zu prognostizieren ist, erwachsen dem Erzbistum daraus erhebliche Risiken. Ein Sinken des Kirchensteueraufkommens lässt sich nicht durch kurzfristige Strukturanpassungen ausgleichen. Ein massives Absinken der Kirchensteuer bei anhaltendem niedrigem Zinsumfeld stellt daher die Bewirtschaftung des laufenden Haushaltes vor große Herausforderungen. Aufgrund der guten Konjunktur wird das Risiko derzeit aber als gering eingeschätzt.

Die Finanzanlagen des Erzbistums Paderborn sind in den jeweiligen Anlageklassen unterschiedlichen Risiken wie Währungsrisiken, Kursrisiken, Zinsänderungsrisiken, Bonitätsrisiken, Inflationsrisiken, Immobilienrisiken etc. ausgesetzt, denen durch eine breite Streuung und laufende Überwachung der Anlagen begegnet wird. Zudem berücksichtigt das Erzbistum in der Kapitalanlagepolitik auch Nachhaltigkeitsaspekte. Deren Bewertung unterliegt unterschiedlichen gesellschaftlichen Einschätzungen, die unter Umständen Auswirkungen auf die Reputation des Erzbistums haben könnten.

Insgesamt beinhaltet die Vermögensstruktur des Erzbistums einen hohen Rentenanteil. Daraus entsteht bei Zinserhöhungen am Kapitalmarkt das Risiko von Kursverlusten und einer Reduzierung der stillen Reserven. Im Rentendirektbestand führt die Neuanlage von Tilgungen oder sonstigen Erträgen im momentanen Niedrigzinsumfeld dazu, dass die Erträge aus dieser Anlage klasse zurückgehen. Sollte sich die Verschuldung der Staaten ausweiten bzw. langfristig auf dem bisherigen Bestand bleiben, wird die Diversifizierung im Rentendirektbestand (nur Emissionen mindestens mit Rating von AA- beim Kauf) schwieriger.

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Durch die Liquiditätsschwemme der Europäischen Zentralbank kann es in der Realwirtschaft zu Fehlallokationen kommen. Sollten die Zinsen ansteigen, kann dies dazu führen, dass einige Unternehmen Schwierigkeiten bei Anschlussfinanzierungen bekommen und die Verschuldung zunimmt. Eine Investition in Unternehmensanleihen birgt die Gefahr, dass Zinszahlungen nicht mehr bedient werden oder gar die Tilgungen ausfallen. Zudem können höhere Verschuldungen zu einem schlechteren Rating führen,welches wiederum dazu führen kann, dass die Papiere nach den derzeit geltenden Anlagerichtlinien nicht weiter gehalten werden dürfen und gegebenenfalls mit Wertverlust verkauft werden müssen.

Im Rahmen der Diversifikation wird das Erzbistum den Anteil von Investitionen in Realwerte ausbauen. Dazu gehören Aktien, inflationsindexierte Anleihen und Immobilien. Die Aktienmärkte haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Es ist zu befürchten, dass ein weiterer Ausbau der Aktienquote im Umfeld der Volatilität dieser Anlageklasse zu einem Abschmelzen der stillen Reserven und ggf. auch zu Abschreibungsbedarf führen kann. Im Bereich der Aktien kann ein Totalausfall nicht ausgeschlossen werden. Die Währungsrisiken liegen mit 18,2 Prozent leicht über dem Vorjahr (17,9 Prozent).

Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Es rechnet sich nicht mehr jede Investition. Deshalb ist der Ausbau der Immobilienquote von 5,1 Prozent (Vorjahr: 3,7 Prozent) der Kapitalanlagen zu Marktpreisen nur langsam möglich. Immobilienfonds unterliegen Rücknahmebeschränkungen. Im derzeitigen Umfeld des „billigen“ Geldes steigt die Gefahr von Preisblasen, die zu gegebener Zeit zu platzen drohen und damit die Anteilspreise stark reduzieren können.

Die Steuerung der Risiken aus der Vermögensanlage baut auf der Risikotragfähigkeit der Bilanz auf, die das verfügbare Risikobudget in Abhängigkeit von stillen Reserven, Abschreibungstoleranzen und Ertragserfordernissen bestimmt. Quartalsweise werden dazu im Vermögen sämtliche Risiken identifiziert, gemessen und im Gesamtzusammenhang bewertet. Die Risikotragfähigkeit dient als zentrale Entscheidungsgrundlage für das Ausmaß der Inkaufnahme von Kapitalmarktrisiken. Das Risiko von Ausfällen im Bereich der Finanzanlagen wird aufgrund der breiten Streuung als beherrschbar eingeschätzt.

Die diskutierten Risiken des Kapitalmarktes beinhalten gleichzeitig auch Chancen. Grundsätzlich verfolgt das Erzbistum Paderborn eine konservative Anlagepolitik. Da sich aus Sparbüchern und Festgeldern nahezu kein Zinsertrag mehr ergibt und eine Anlage in Liquidität keine Beteiligung an Marktentwicklungen zulässt, wird grundsätzlich weiterhin der Weg verfolgt, die Liquidität in Anlageklassen umzuschichten, die eine Teilhabe an Marktentwicklungen ermöglichen. Das Vermögen des Erzbistums ist langfristig ausgerichtet. Daher können Volatilitäten und auch Krisen unter Berücksichtigung eines sorgfältigen und verantwortungsbewussten Anlagemanagements verkraftet werden.

Das Erzbistum Paderborn hat im Jahr 2012 die Trägerschaft der Schulen St. Michael in Paderborn übernommen. In der Folge soll die Altersversorgung der Mitarbeiter von der VBL zur KZVK übertragen werden. Bislang ist noch keine Regelung gefunden worden, ob das Erzbistum der VBL eine Ablösesumme zahlt oder ob das Erzbistum bei der VBL Beteiligte wird. Für zu erwartende Aufwendungen hat das Erzbistum eine Rückstellung von 4 Mio. Euro gebildet. Das Risiko der Inanspruchnahme wird als hoch eingeschätzt.

Die angestellten Mitarbeitenden des Erzbistums Paderborn erhalten eine betriebliche Altersversorgung (Zusatzversorgung) auf der Grundlage der Kirchlichen Arbeits- und Vergütungsordnung. Das Erzbistum Paderborn als Dienstgeber erfüllt diesen Anspruch auf Zusatzversorgung durch Versicherung bei der KZVK. Gegenüber den angestellten Mitarbeitenden bestehen mittelbare Versorgungsverpflichtungen für den Fall, dass die KZVK ihren Versorgungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Das Risiko der Inanspruchnahme wird als gering eingeschätzt.

Die Entwicklung der rechtlich selbstständigen Ordensgemeinschaften im Erzbistum Paderborn betrachtet das Erzbistum mit großer Sorge. Weniger geistliches Personal, ein großer Immobilienbestand sowie geringe Erträge aus Finanzanlagen stellen die Ordensgemeinschaften vor große Herausforderungen. Ob und welche finanziellen Verpflichtungen für das Erzbistum Paderborn entstehen, kann derzeit nicht quantifiziert werden.

Das Erzbistum Paderborn betreibt keine sozialen Einrichtungen. Diese sind in rechtlich selbstständigen Trägern organisiert. Die sozialen Einrichtungen sind durch Entgelte refinanziert. Der Staat gibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen vor. Sollten sich diese Bedingungen ändern und können die notwendigen Anpassungsmaßnahmen nicht zügig durchgeführt werden, kann es zu Investitions- beziehungsweise Liquiditätsengpässen kommen. Deren Auswirkungen auf das Erzbistum sind schwer zu quantifizieren.

Der Anpassungsprozess in den über 600 Kirchengemeinden mit Blick auf den Immobilienbestand, das pastorale Personal und das Engagement der Ehrenamtlichen wird in den nächsten Jahren an Geschwindigkeit zunehmen. Während die Aufwendungen durch Reduzierung des Immobilienbestands tendenziell reduziert werden können, nehmen sie im Bereich der Löhne und Gehälter zu. Dies wird zu nicht unerheblichen Mehrkosten führen. Das Risiko der anfallenden Mehrkosten wird momentan als beherrschbar angesehen.

Das Erzbistum hat hohe Verpflichtungen zur Versorgung der Priester und der beamtenähnlich beschäftigten Mitarbeiter. Hierzu hat es weitreichende Vorsorge in Form einer Rückstellung für Pensions- und Beihilfeverpflichtungen sowie einer Rücklage für Pensionen und Beihilfen getroffen. Die Pensionsrückstellung ist nach Parametern gemäß HGB aufgestellt worden. Zum Ausgleich der Differenz zum Barwertverfahren sowie zur Berücksichtigung des tatsächlich niedrigeren Kapitalmarktzinses wurde zusätzlich eine Pensionsrücklage im Eigenkapital gebildet. Ziel ist es, unter konservativsten Annahmen die Pensionsleistungen zu sichern.

Erzbischof Hans-Josef Becker hat das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn in Kraft gesetzt. Derzeit erfolgt die Aneignung dieses Zukunftsbildes in allen kirchlichen Untergliederungen. Es steht für Aufbruch und Neues. Im Rahmen der Umsetzung kann sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn positiv entwickeln und dadurch ein Neuaufbruch entstehen.

Auf der Fazenda in Hellefeld ist Gemeinschaft ein Grundprinzip - hier beim Musizieren.