Grundlagen, Ertrags- und Vermögenslage

Das Erzbistum Paderborn umfasst ein Gebiet von rund 15.000 Quadratkilometern in Nordrhein- Westfalen sowie in Teilen von Hessen und Niedersachsen. Von den rund 4,8 Millionen Einwohnern sind rund 1,5 Millionen Menschen Katholiken. Sie leben in 666 Kirchengemeinden, die sich in 111 Pastorale Räume beziehungsweise Pastoralverbünde und Gesamtpfarreien gliedern. Damit ist das Erzbistum Paderborn nach Mitgliedern die sechstgrößte deutsche Diözese. Das Erzbistum Paderborn ist seelsorgerisch und sozial in vielen gesellschaftlichen Bereichen tätig. Diese reichen von der Krankenhausseelsorge über die Notfall- und Gefängnisseelsorge, den Betrieb von Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, die Caritas sowie Kunst und Kultur bis hin zu rund 100 Ordensniederlassungen. Des Weiteren hat das wirtschaftliche und personelle Engagement für die Weltkirche Tradition im Erzbistum.

Auch 2017 ist die Zahl der Katholiken im Erzbistum weiter gesunken. Ursache dafür sind vor allem demografische Effekte. So verzeichnet das Erzbistum Paderborn auch im Berichtsjahr deutlich weniger Geburten bzw. Taufen als Sterbefälle.

Und obwohl die Zahl der Kirchenaustritte gegenüber dem Vorjahr nur leicht auf 7.347 zunahm, trugen Wanderungseffekte stark zu einer weiteren Verringerung der Katholiken im Erzbistum um insgesamt 1,4 Prozent bei.

Das Erzbistum Paderborn passt sich an die Bedürfnisse der Menschen an und setzt seine Ressourcen dort ein, wo sie benötigt werden. Mit dem Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn ist dabei der Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung und die Umsetzung einer Vielzahl von Maßnahmen gesetzt. Diese zeigen sich unter anderem in der Weitung und Neuorganisation Pastoraler Räume auf Basis eines Perspektivwechsels hin zu Sozial- und Erfahrungsräumen, in denen kirchliches Leben gemeinsam gestaltet wird. Die im Zukunftsbild beschriebenen pastoralen Prioritäten sind wesentliche Maßgabe für die Finanzplanung des Erzbistums.

Entwicklung der Mitgliederzahl
20172016
Kirchenmitglieder zum 1. Januar
1.538.2401.549.230
Taufen10.302
10.094
Sterbefälle-16.490
-16.674
Austritte-7.347
-7.151
Sonstige Veränderungen*
-7.335-2.741
Kirchenmitglieder zum 31. Dezember
1.517.3701.538.240

* Eintritte, Wiederaufnahmen, Zuzüge bzw. Abwanderung

Positive Ertragsentwicklung – steigende Aufwendungen

Die Kirchensteuereinnahmen erreichten im Erzbistum Paderborn im Jahr 2017 mit einem Anstieg von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr das Allzeithoch von 409,7 Mio. Euro. Dies ist auf die weiterhin gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen, die die im Rahmen der demografischen Entwicklung kleiner werdende Anzahl an Kirchensteuerzahlern positiv überlagert. Die Prognose der Haushaltsplanung für das Jahr 2017 wurde um rund 3 Prozent übertroffen. Mit einem Anteil von 77,9 Prozent der Erträge repräsentiert die Kirchensteuer weiterhin die wichtigste Ertragsquelle des Erzbistums.

Die Erträge aus Zuweisungen und Zuschüssen der öffentlichen Hand stiegen 2017 um 7,8 Prozent auf 61,8 Mio. Euro und stellen die zweitgrößte Ertragsposition des Erzbistums dar. Sie beinhalten im Wesentlichen Zuschüsse für Personal- und Sachkosten der Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, die vom Erzbistum betrieben werden.

Gleichzeitig verringerten sich die sonstigen Erträge und Umsatzerlöse insgesamt um rund 18 Prozent auf 54,8 Mio. Euro. Besonders relevant waren dabei die sonstigen Erträge, die regelmäßig zu einem Großteil die Auflösung von Rückstellungen beinhalten.

Die Erträge des Erzbistums aus Kirchensteuereinnahmen, Zuweisungen und Zuschüssen, sonstigen Umsatzerlösen und sonstigen Erträgen stiegen insgesamt gegenüber dem Vorjahr um 10,7 Mio. Euro und damit um 2,1 Prozent auf 526,3 Mio. Euro. Im Gegenzug erhöhten sich die Aufwendungen im Berichtsjahr 2017 um 3,5 Prozent auf rund 486 Mio. Euro.

Der größte Anteil der Aufwendungen, die aus der pastoralen Aufgabenerfüllung resultieren, wurde für Zuweisungen und Zuschüsse an Kirchengemeinden, Verbände und andere kirchliche Einrichtungen verwendet.

Diese nahmen gegenüber dem Vorjahr fast proportional zu den Erträgen um 2 Prozent zu und machten mit 226,2 Mio. Euro 46,6 Prozent der Gesamtaufwendungen des Erzbistums aus. Insgesamt werden damit 55,2 Prozent der Erträge aus Kirchensteuern direkt in Form von Zuweisungen und Zuschüssen seitens des Erzbistums Paderborn an Kirchengemeinden und Gemeindeverbände sowie kirchliche Organisationen weitergegeben.

Der Personalaufwand repräsentiert mit 37,8 Prozent die zweitgrößte Aufwandsposition des Erzbistums. Er nahm gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 2,6 Prozent auf rund 183,8 Mio. Euro zu. Löhne und Gehälter stiegen dabei stärker als die Vorsorgeaufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung.

Eine weitere relevante Aufwandsposition stellen die sonstigen Aufwendungen dar, die 2017 um 6,8 Mio. Euro und damit um 11,4 Prozent auf 66,3 Mio. Euro gestiegen sind. Sie umfassen unter anderem die Gebäudeinstandhaltung und die Hebegebühren der Finanzämter für den Einzug der Kirchensteuer. Der Anstieg geht unter anderem auf eine Zunahme der Bau- und Reparaturleistungen für Gebäude zurück.

Das Finanzergebnis verzeichnete 2017 gegenüber dem Vorjahr einen starken Rückgang von rund 7,5 Mio. Euro. Dieser ist vor allem auf das weiterhin niedrige Zinsniveau zurückzuführen. Nach Berücksichtigung der Aufwendungen für die Aufzinsung der Pensions- und Beihilferückstellungen verblieb ein gegenüber dem Vorjahr um 20,5 Prozent niedrigeres Finanzergebnis von rund 28,2 Mio. Euro.

Bilanzgewinn geht an Kirchengemeinden und Caritas

Insgesamt liegt der Jahresüberschuss vor Dotierung der Rücklagen im Jahr 2017 bei rund 68,4 Mio. Euro und damit 16 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Aus dem Überschuss 2017 sowie dem Ergebnisvortrag aus 2016 wurden den Bau- und Sonderrücklagen 2,9 Mio. Euro zugeführt. Diese verringerten sich jedoch insgesamt durch eine außerdem erfolgte Entnahme in Höhe von 14,3 Mio. Euro per Saldo um 11,4 Mio. Euro. Die Pensionsrücklagen wurden um rund 76,0 Mio. Euro aufgestockt. Der Ausgleichrücklage wurden 0,9 Mio. Euro zugeführt. Insgesamt ergibt sich daraus ein Bilanzergebnis von 15,0 Mio. Euro, nach 12,1 Mio. Euro im Vorjahr.

Der Kirchensteuerrat hat beschlossen, den Bilanzgewinn des Jahres 2017 vollständig für die Kirchengemeinden und caritative Zwecke zu verwenden. Mit 9,7 Mio. Euro werden die Kirchengemeinden und die Pastoralverbünde gestärkt. Dies trägt auch der Tatsache Rechnung, dass die Kirchengemeinden immer mehr zusammenwachsen und Aufgaben gemeinsam finanzieren. Insgesamt 5,3 Mio. Euro erhält die Caritas für verschiedene Aufgaben. Damit wird die seelsorgliche Begleitung in der Kranken- und Altenhilfe für die nächsten drei Jahre finanziert. Zudem wird unter anderem der Flüchtlingsfonds gestärkt und ein Sonderfonds für spezifisch armutsorientierte Dienste geschaffen.

Stabile Vermögenslage – steigende Verpflichtungen

Die Bilanzsumme des Erzbistums stieg zum Bilanzstichtag mit 109,2 Mio. Euro um 2,6 Prozent auf 4,391 Mrd. Euro. Dies ist vor allem auf den Anstieg der Finanzanlagen um 66,6 Mio. Euro und der Sachanlagen um 10,9 Mio. Euro sowie der flüssigen Mittel um 26,8 Mio. Euro zurückzuführen.

Auf der Aktivseite, also der Darstellung der Vermögenswerte, dominieren Finanzanlagen mit einem Anteil von 90,2 Prozent des Gesamtvermögens. Ihr Anstieg auf 3,959 Mrd. Euro geht vor allem auf den Anstieg der Wertpapiere des Anlagevermögens in Höhe von 110,8 Mio. Euro zurück, mit denen die langfristigen Verpflichtungen gedeckt werden. Insbesondere für die Altersversorgung der Mitarbeiter müssen ausreichende Mittel zurückgelegt werden. Das Umlaufvermögen in Höhe von rund 125 Mio. Euro deckt vor allem den Liquiditätsbedarf für die laufenden Ausgaben.

Mit einer aufgrund der gestiegenen Bilanzsumme leicht auf 83,4 Prozent zurückgegangenen Eigenkapitalquote (Vorjahr: 84,0 Prozent) ist das Erzbistum nach wie vor stabil aufgestellt und kann unabhängig agieren. Vom Eigenkapital entfallen dabei unverändert rund 781 Mio. Euro auf das Bistumskapital – das Eigenkapital im engeren Sinne, welches insbesondere zur Sicherstellung der Aufgabenerfüllung des Erzbistums und als Reserve für langfristige Verpflichtungen und Risiken dient.

Der weitaus größte Teil des Eigenkapitals entfällt auf zweckgebundene Rücklagen. Rund 1,4 Mrd. Euro werden zur Erhaltung der Gebäude aller Einrichtungen im Erzbistum und zur Finanzierung umfangreicher Projekte, als Rücklage für soziale Einrichtungen sowie für den Caritas- Notfallfonds benötigt.

Zur Sicherstellung der Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums wurden den Pensionsrücklagen 2017 rund 76 Mio. Euro zugeführt. Die Pensionsrücklagen erreichen damit 2017 ein Volumen von 698,2 Mio. Euro.

Für die Absicherung gegen langfristige Ergebnisschwankungen, insbesondere mit Blick auf die zu erwartenden rückläufigen Kirchensteuererträge, dienen 738,4 Mio. Euro als Ausgleichsrücklage.

Kirche ist kein Wirtschaftsunternehmen. Außer geringfügigen Teilnehmerbeiträgen für Veranstaltungen erzielt das Erzbistum Paderborn keine direkten Erträge. Deshalb ist die hohe Eigenkapitaldeckung wichtig. Es ist ein Ziel der Finanzpolitik des Erzbistums, auf Bankverbindlichkeiten weitestgehend zu verzichten, um Finanzierungskosten zu vermeiden und die Kirchensteuereinnahmen unmittelbar der kirchlichen Arbeit zukommen zu lassen.

Zur Deckung seiner Verpflichtungen, insbesondere in der Altersversorgung, hat das Erzbistum in der bilanzrechtlich zulässigen Höhe Rückstellungen gebildet. 2017 stiegen die Pensionsrückstellungen um 5,7 Prozent auf insgesamt 406,6 Mio. Euro.

Hinzu kommen unter Sonstigen Rückstellungen verbuchte Beihilferückstellungen in Höhe von 117,9 Mio. Euro. Durch die Pensionsrückstellungen und -rücklagen sind die Vorsorgeverpflichtungen aus heutiger Sicht gesichert.

Das Eigenkapital sichert die finanzielle Unabhängigkeit des Erzbistums und die Handlungsfähigkeit der Kirche. Die entsprechenden Rücklagen ermöglichen Verlässlichkeit und Kontinuität im kirchlichen Handeln. So wird unter anderem für größere Sanierungsmaßnahmen der Kirchengemeinden im Rahmen der Baurücklagen langfristig Vorsorge getroffen. Außerdem können mit Hilfe dieser Rücklagen bei Bedarf unter anderem Projekte sozialer Einrichtungen fallweise unterstützt werden. Zwar müssen auch diese Einrichtungen grundsätzlich wirtschaftlich tragfähig sein, um dauerhaft existieren zu können. Gleichwohl steht das Erzbistum für eine langfristig orientierte, seelsorgerisch und sozial ausgerichtete Grundhaltung.

Insgesamt verfügt das Erzbistum Paderborn über eine solide und stabile finanzielle Basis und kann aus den laufenden Erträgen seine vielfältigen Aufgaben erfüllen. Das verfügbare Vermögen ermöglicht eine nachhaltige Arbeit und sichert die langfristige Deckung der Verpflichtungen.

Als Seelsorgliche Begleiterin ist Pia Biehl (rechts) auch für das Pflegepersonal des Marienheims da.